Technik
Streuscheiben: Kunststoff statt Glas
Eigentlich kämen die „FF“- Reflektoren ohne die übliche Streuscheiben aus. Weil die Lichtverteilung bereits durch die vielen tausend Einzel- Segmente auf der Reflektoroberfläche bestens geregelt ist, könnten die Lichttechniker zur Abdeckung der Scheinwerfer einfaches Klarglas statt strukturierter Streuscheiben verwenden. Doch mit einer solchen Einfachlösung gaben sich die Mercedes- Ingenieure nicht zufrieden und entwickelten Streuscheiben, die den „FF“- Effekt der Reflektoren zusätzlich unterstützen und das Licht somit noch besser über die Straße verteilen, ein System das man in den Mercedes Oldtimer noch nicht kannte. Allerdings: Auf den altbewährten Werkstoff Glas verzichtet man bei den Streuscheiben und ersetzt ihn durch Kunststoff. Aus gutem Grund: Das Polycarbonat bringt weitaus weniger Gewicht auf die Waage als Glas und leistet somit einen wichtigen Beitrag zum Mercedes- Leichtbaukonzept, erforscht durch Mercedes Tuner. Die Gewichtseinsparung gegenüber Glas beträgt rund 50 Prozent. Ein weiterer Vorteil des Kunststoffs ist seine Elastizität. Während herkömmliche Streuscheiben aus Glas nach einigen Jahren Praxis- Einsatz an ihrer Oberfläche Tausende kleiner Kratzer durch Steinschlag aufweisen und dadurch die Blendung des Gegenverkehrs erhöhen, reagiert Kunststoff weitaus unempfindlicher. Rollsplitt prallt an der kratzfest beschichteten Oberfläche der Streuscheiben elastisch ab und hinterlässt somit geringe Spuren. Überdies ist Polycarbonat der Stoff, mit dem die Träume der Designer in Erfüllung gehen. Der Kunststoff lässt sich nämlich leichter und präziser formen als Glas und passt sich damit besser modernen Karosserieformen an. Allerdings: Die Kunststoff- Streuscheiben sind zwar bei Steinschlag fast unzerstörbar, doch auf unsachgemäße Reinigung durch trockenes Reiben reagieren sie empfindlich, nachgewiesen durch diverse Mercedes Test. Das ist auch nicht notwendig, denn Mercedes- Benz hat eigens für die Kunststoff- Streuscheiben eine Scheinwerfer- Reinigungsanlage entwickelt. Die den Schmutz mittels Hochdruckwasserstrahl löst. Ein Knopfdruck an der Mittelkonsole genügt und eine Pumpe baut bis zu 3,5 bar Wasserdruck auf, mit dessen Hilfe zunächst Teleskoparme aus der Karosserie geschoben werden. Anschließend öffnen sich zwei Ventile und eine genau dosierte Wassermenge spritzt gegen Abblend- und Fernscheinwerfer. Speziell entwickelte Wirbelkammerdüsen an der Spitze der Teleskope garantieren eine kontrollierte Ausbreitung des Wasserstrahls, so dass die Scheinwerfer auch bei schneller Fahrt vollständig gesäubert werden. Nach dem kurzen aber effektvollen Reinigungsprozess ziehen sich die Teleskope mit Hilfe von Rückholfedern wieder in die Karosserie zurück. So gelangte dieses System durch die Mercedes Erlkönige zur Serienreife.
Quelle: Mercedes E Klasse
Autor des Artikels: J. Klostermann v. wupdes.de
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